
Morgengebet · Freitag
Durchs Wasser
6 Min. · Stimme Jil · Jes 43,1–2
Für Morgen, die schon schwer anfangen. Das Schwere benennen, ohne es schönzureden, und mit einem Satz aus Jesaja in den Tag gehen.
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Guten Morgen. Manche Tage fangen schon schwer an, bevor man die Augen aufmacht. Da liegt etwas auf der Brust. Ein Befund, auf den du wartest. Ein Streit, der nicht fertig ist. Eine Rechnung, von der du nicht weisst, wie du sie bezahlst. Oder eine Traurigkeit ohne Namen.
Wenn es heute so ist, musst du es nicht wegschieben. Nimm es mit in diese paar Minuten. Leg eine Hand dorthin, wo du das Schwere am deutlichsten spürst. Auf die Brust vielleicht, oder auf den Bauch. Und atme ruhig dorthin.
Ein.
Und aus.
Gott, das ist mein Morgen heute. So sieht es in mir aus.
Es ist Freitag. Seit jeher denken Christen an diesem Tag an das Kreuz. Jesus ist mitten durch das Schwere hindurchgegangen, bis ans Ende. Du betest heute zu einem, der weiss, wie sich das anfühlt.
Beim Propheten Jesaja sagt Gott zu seinem Volk: Fürchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Sooft du durchs Wasser gehst, ich bin bei dir. Und durch Ströme, sie sollen dich nicht überfluten.
Hör den Satz noch einmal, und setz in Gedanken deinen eigenen Namen ein. Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.
Und jetzt sag Gott, was heute schwer ist. Genau benannt. Du musst es nicht schönreden, und du musst auch keine Lösung mitliefern.
Vielleicht ist da auch ein Mensch, dem es gerade schlechter geht als dir. Jemand im Spital. Oder ein Freund, der sich seit Wochen nicht mehr meldet. Nimm ihn mit hinein.
Wenn dir keine Worte mehr kommen, bleib einfach so sitzen, die Hand auf der Brust. Gott versteht auch das Schweigen von jemandem, der gerade nicht weiter weiss.
Herr, ich weiss nicht, wie das ausgeht. Ich bitte dich nur: Geh heute mit durchs Wasser. Und wenn ich dich nicht spüre, geh trotzdem mit.
Maria stand unter dem Kreuz. Ändern konnte sie nichts, und sie ist geblieben. Maria, bleib heute bei mir.
Für heute ein kleiner Vorsatz. Wenn es im Lauf des Tages wieder schwer wird, bleib einen Atemzug lang stehen und sag nur: Du bist bei mir. Das geht auch im Tram oder am Wickeltisch. Niemand merkt es.
Wir beten zusammen. Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. Gott, der dich beim Namen kennt, halte dich heute über Wasser. Und schick dir einen Menschen, der dir guttut. Amen.