Schlucht in der Stille

Schlafen · 1 Könige 19

Ein leises, sanftes Säuseln

13 Min. · Stimme Michael · 1 Kön 19,1-13

Elija schläft erschöpft unter einem Ginsterstrauch, wandert zum Berg Horeb und hört Gott in einem leisen Wehen. Für Nächte nach Tagen, die zu viel waren.

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Leg dich hin und mach es dir bequem. Lass das Kissen deinen Kopf tragen.

Du hast heute genug getan. Was noch offen ist, bleibt bis morgen liegen.

Atme ein paar Mal tief ein und lang wieder aus.

Ich erzähle dir heute von Elija. Er war ein Prophet in Israel, vor fast dreitausend Jahren, und er war sehr, sehr müde.

Elija hatte viel gekämpft. Er hatte laut geredet, vor dem König und vor dem ganzen Volk, und jetzt war die Königin hinter ihm her. Da bekam er Angst, und er ging fort, nach Süden, immer weiter, bis nach Beerscheba am Rand der Wüste.

Dort liess er seinen Diener zurück. Und er selbst ging allein weiter, eine ganze Tagesreise weit in die Wüste hinein.

Stell dir diese Wüste am späten Nachmittag vor. Der Boden ist hell und steinig, die Hitze des Tages steigt noch aus dem Sand, und der Himmel ist sehr weit. Es ist still. Nur seine Schritte knirschen, und ab und zu raschelt eine Eidechse zwischen den Steinen.

Die Luft flimmert über den Steinen. In der Ferne sieht er die Umrisse von Hügeln, blass, fast durchsichtig im Dunst.

Irgendwann bleibt er stehen. Da ist ein Ginsterstrauch, nicht sehr hoch, mit dünnen grünen Zweigen, der ein wenig Schatten gibt. Elija setzt sich darunter. Seine Füsse sind staubig, und seine Schultern sind schwer.

Er sagt zu Gott nur: Es ist genug.

Dann legt er sich hin, dort unter dem Strauch, auf den warmen Boden, und schläft ein.

Er schläft tief, so wie man schläft, wenn man lange nicht mehr richtig geschlafen hat. Sein Atem geht langsam. Der Ginster bewegt sich leicht über ihm, und ab und zu fällt eine kleine gelbe Blüte auf seinen Mantel.

Die Sonne sinkt, und die Schatten werden lang und blau, und der Wind, der über die Wüste streicht, wird kühler.

Da berührt ihn jemand, ganz sanft, an der Schulter. Ein Engel. Und er sagt zu ihm: Steh auf, iss.

Elija öffnet die Augen. Neben seinem Kopf liegt ein Brot, auf heissen Steinen gebacken und noch warm, und daneben steht ein Krug mit Wasser.

Riech dieses Brot. Die Kruste ist ein wenig angebrannt, und innen ist es weich. Das Wasser im Krug ist kühl, als käme es aus einer tiefen Quelle.

Elija isst und trinkt. Und dann legt er sich wieder hin und schläft weiter.

Später kommt der Engel ein zweites Mal. Er berührt ihn wieder und sagt: Steh auf, iss, sonst ist der Weg zu weit für dich.

Und Elija isst noch einmal und trinkt. Und mit der Kraft dieser Speise macht er sich auf den Weg.

Er steht auf, schüttelt den Sand aus seinem Mantel und schaut noch einmal zurück zu dem Strauch, unter dem er geschlafen hat.

Vierzig Tage und vierzig Nächte geht er, bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

Es ist ein langer Weg. Tagsüber flimmernde Ebenen und rote Felsen, am Abend das langsame Kühlwerden der Luft. Nachts liegt er unter einem Himmel voller Sterne, und am Morgen geht er weiter, Schritt für Schritt, im gleichen ruhigen Takt.

Die Wüste verändert ihre Farben mit den Stunden. Am Morgen ist sie rosa und grau, am Mittag fast weiss, und am Abend liegt ein tiefes Orange auf den Felsen, bevor alles blau wird.

Irgendwann steigen vor ihm die Berge auf, grau und braun, mit tiefen Schluchten und stillen Hängen. Am Horeb findet er eine Höhle. Er geht hinein, und dort bleibt er über Nacht.

Die Höhle ist kühl. Der Stein unter ihm ist glatt, und von draussen hört er nur den Wind.

Er setzt sich an die Felswand, zieht die Knie an und hört, wie draussen der Abend kommt.

Da spricht Gott zu ihm und fragt: Was willst du hier, Elija?

Und Elija erzählt ihm alles. Wie sehr er sich eingesetzt hat, und wie allein er sich fühlt, als wäre er der Einzige, der noch übrig ist.

Gott sagt: Geh hinaus und tritt auf dem Berg vor mich hin.

Und dann zieht der Herr vorüber.

Zuerst kommt ein Sturm, ein gewaltiger Wind, der an den Felsen reisst. Aber der Herr ist nicht im Sturm.

Danach bebt die Erde. Auch im Erdbeben ist der Herr nicht. Und nach dem Erdbeben kommt ein Feuer, und auch im Feuer ist er nicht.

Dann wird es ruhig.

Nach dem Feuer kommt ein leises, sanftes Säuseln.

Es ist so leise, dass man es fast nicht hört. Ein kühler Luftzug über der Haut, so zart wie der Atem eines Kindes, das neben dir schläft.

Als Elija es hört, zieht er seinen Mantel über das Gesicht. Er geht hinaus und stellt sich an den Eingang der Höhle.

Und dort steht er, in diesem leisen Wehen, und eine Stimme spricht zu ihm.

Die Berge sind still. Der Himmel über dem Horeb wird dunkel, und die ersten Sterne erscheinen.

Unten im Tal zieht Nebel auf, weiss und weich, und legt sich zwischen die Felsen.

Der Mantel ist warm und rau an seinem Gesicht. Sein Atem wird ruhig.

Das Säuseln geht weiter, leise, über die Felsen und über den Berg, über die ganze weite Wüste, bis dorthin, wo der Ginsterstrauch steht.

Atme ein. Und lass los.

Ein leises, sanftes Säuseln.