Gebete für den Advent
Hier findest du kurze Adventsgebete für jeden der vier Sonntage, Gebete für gewöhnliche Dezembertage und einige alte Texte, die Christen seit Jahrhunderten im Advent beten. Alle zum Lesen, einige auch zum Hören.
Redaktion Weile · aktualisiert am 5. Oktober 2026

Ein Gebet zum Anzünden der Kerze
Für jeden Abend am Adventskranz, egal wie viele Kerzen brennen:
Gott, da ist eine Flamme mehr als letzte Woche. Viel ist es nicht gegen die langen Nächte. Aber es reicht, um ein Gesicht zu sehen. Komm du in dieses kleine Licht und bleib bei uns, bis es hell wird. Amen.
Gebete für die vier Adventssonntage
Die Gebete nehmen jeweils das Sonntagsevangelium auf, das 2026 in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird.
1. Advent, 29. November: Wach bleiben
Im Evangelium nach Markus sagt Jesus: «Haltet die Augen offen, seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Zeitpunkt da ist.» (Markus 13,33)
Herr, ich bin müde, bevor der Dezember richtig begonnen hat. Die Liste ist lang, der Kalender voll. Halte mich wach für das, was zählt: für das Kind, das etwas erzählen will, für die Nachbarin, die allein ist, für dich, wenn du leise anklopfst. Komm, Herr Jesus.
2. Advent, 6. Dezember: Einen Weg bahnen
Johannes der Täufer ruft mit den Worten des Propheten Jesaja: «Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade!» (Markus 1,3)
Gott, in mir liegt einiges quer. Ein Groll, den ich pflege. Eine Entschuldigung, die ich schulde. Ich räume nicht alles auf einmal weg. Hilf mir, mit einem Stein anzufangen, damit du durchkommst. Amen.
3. Advent, 13. Dezember: Zeuge des Lichts
Der dritte Advent heisst Gaudete, «Freut euch», nach dem Wort aus dem Philipperbrief: «Freuet euch im Herrn allezeit! … der Herr ist nahe!» (Philipper 4,4–5) Im Evangelium heisst es von Johannes: «Er war nicht selbst das Licht, sondern Zeugnis sollte er von dem Licht ablegen.» (Johannes 1,8)
Herr, ich muss nicht selbst leuchten. Das nimmt mir eine Last ab. Lass mich heute auf dich zeigen, mit einem freundlichen Wort, mit einer Geduld, die ich nicht von mir habe. Und schenk mir eine Freude, die nicht vom Wetter abhängt. Amen.
4. Advent, 20. Dezember: Ja sagen
Der Engel kommt zu Maria, und sie antwortet: «Siehe, ich bin des Herrn Magd: mir geschehe nach deinem Wort!» (Lukas 1,38)
Maria, du hast Ja gesagt, bevor du alles verstanden hast. Ich will meistens zuerst den ganzen Plan sehen. Nimm mich mit in dein Vertrauen. In vier Tagen ist Weihnachten, und vieles ist nicht fertig. Bitte für mich, dass ich trotzdem Platz habe für ihn. Amen.
Die Verkündigung gibt es in Weile auch als Lectio zum Hören:
Gebete für den Alltag im Advent
Am Morgen, wenn es noch dunkel ist
Gott, es ist dunkel, und ich bin schon auf. Du kennst die Stunden vor dem Licht. Geh mit mir durch diesen Tag, bis zum Abend, wenn es wieder dunkel wird. Amen.
Wenn der Dezember zu voll wird
Herr, ich renne. Geschenke, Termine, Weihnachtsessen, Jahresabschluss. Du bist in einem Stall angekommen, wo keiner mit dir gerechnet hat. Zeig mir heute eine Lücke, in der ich still sein kann, und sei du in der Lücke. Amen.
Für Hoffnung, wenn sie knapp ist
Gott, ich warte auf etwas, das nicht kommt. Eine Antwort, eine Heilung, einen Anruf. Die Propheten haben auch gewartet, jahrhundertelang. Lass mich nicht hart werden beim Warten. Halte du die Hoffnung, wenn ich sie gerade nicht halten kann. Amen.
Wenn der Advent einsam ist
Jesus, überall Lichterketten und Familienfotos. Bei mir ist es still. Du bist auch in einer Nacht gekommen, in der für deine Eltern kein Platz war. Komm in meine Stille. Und schick mir einen Menschen, mit dem ich reden kann. Amen.
Für einen Menschen, der dir fehlt
Gott, an diesem Advent fehlt jemand. Sein Platz am Tisch bleibt leer. Ich zünde die Kerze auch für ihn an. Halte ihn in deinem Licht, und halte mich, wenn die Lieder wehtun. Amen.
Für Trauernde gibt es eine eigene Seite: Für Verstorbene beten.
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Weile öffnenAlte Gebete für den Advent
«Tauet, Himmel» (Jesaja 45,8)
Kein Bibelvers prägt den Advent so wie dieser aus dem Propheten Jesaja. In der lateinischen Bibel, der Vulgata, beginnt er mit «Rorate caeli desuper». Davon haben die Roratemessen ihren Namen, die frühmorgens im Kerzenlicht gefeiert werden. Das Lied «Tauet, Himmel, den Gerechten» greift ihn auf, gedichtet vom Jesuiten Michael Denis, 1774 in Wien erschienen.
In der Menge-Bibel lautet der Vers:
«Lasst rieseln von oben, ihr Himmel, Segen, und die Wolken mögen ihn herabströmen lassen! Die Erde tue ihren Schoss auf, damit Heil erblühe, und sie lasse Gerechtigkeit sprossen zugleich! Ich, der Herr, habe selbst es geschaffen.»
Quelle: Jesaja 45,8, Menge-Bibel 1939.
Und lateinisch, nach der Vulgata:
Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum; aperiatur terra et germinet salvatorem.
Zu Deutsch etwa: «Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten. Die Erde tue sich auf und lasse den Retter sprossen.»
«Komm, Herr Jesus»
Das kürzeste Adventsgebet steht ganz am Ende der Bibel. Die ersten Christen beteten es auf Aramäisch: Maranatha.
«Amen, komm, Herr Jesus!»
Quelle: Offenbarung 22,20, Menge-Bibel 1939. Man kann es im Rhythmus des Atems beten, beim Einatmen «Komm», beim Ausatmen «Herr Jesus».
Das Magnificat
Maria singt bei Elisabet ein Lied über einen Gott, der die Kleinen hochhebt. Es gehört seit jeher zum Abendgebet der Kirche und im Advent besonders dazu.
Adventslieder als Gebet
Viele alte Adventslieder sind gesungene Gebete. Ihre Texte sind gemeinfrei und in Weile zum Lesen:
Gebet · Friedrich SpeeO Heiland, reiss die Himmel aufGanzen Text lesen Gebet · Georg WeisselMacht hoch die TürGanzen Text lesen Gebet · Philipp NicolaiWachet auf, ruft uns die StimmeGanzen Text lesen Gebet · Martin LutherNun komm, der Heiden HeilandGanzen Text lesen GebetMaria durch ein Dornwald gingGanzen Text lesen Gebet · Daniel SudermannEs kommt ein Schiff, geladenGanzen Text lesenFriedrich Spee schrieb «O Heiland, reiss die Himmel auf» 1622 mitten im Dreissigjährigen Krieg. Auch er hat dabei an Jesaja gedacht, an den Tau aus den Wolken und an die Erde, die aufbricht.
Eine kleine Adventsandacht
Für eine Gruppe, einen Seniorennachmittag oder den Abend zu Hause, etwa fünfzehn Minuten:
- Eine Kerze anzünden, das Gebet zum Anzünden der Kerze (oben).
- Ein Lied singen oder lesen, zum Beispiel «Macht hoch die Tür».
- Den Bibeltext des kommenden Sonntags vorlesen, langsam, zweimal.
- Zwei Minuten Stille. Wer mag, sagt danach ein Wort aus dem Text, das hängen geblieben ist.
- Das Sonntagsgebet von dieser Seite.
- Vaterunser.
- Zum Schluss: «Komm, Herr Jesus.»