Das Gebet von Bruder Klaus
«Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.» Das Gebet von Bruder Klaus, Niklaus von Flüe, hat drei Bitten und ist über fünfhundert Jahre alt. In der Schweiz kennen es viele auswendig, katholisch wie reformiert.
Redaktion Weile · aktualisiert am 5. Oktober 2026

Der Text
Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.
Das Gebet wird Niklaus von Flüe zugeschrieben, den man in der Schweiz Bruder Klaus nennt. Der Text ist gemeinfrei, du darfst ihn abschreiben, drucken und weitergeben.
Woher das Gebet kommt
Bruder Klaus hat keine eigenen Schriften hinterlassen. Was wir von ihm haben, haben andere festgehalten. Die ältesten Handschriften mit diesem Gebet stammen aus der Zeit um 1500, wenige Jahre nach seinem Tod. Der Theologe Heinrich Stirnimann hat die frühen Abschriften und Drucke 1981 untersucht und kam zum Schluss, dass das Gebet zur echten Überlieferung von Bruder Klaus gehört.
Es gibt eine ältere und eine jüngere Fassung. Die oben abgedruckte ist die jüngere, heute verbreitete. Sie ist leichter zu merken, weil die drei Bitten gleich gebaut sind.
Der Katechismus der Katholischen Kirche zitiert das Gebet in Nummer 226, direkt vor dem Gebet «Nichts soll dich ängstigen» von Teresa von Ávila.
Wer war Bruder Klaus?
Niklaus von Flüe wurde 1417 auf dem Flüeli im heutigen Kanton Obwalden geboren. Er war Bauer, heiratete Dorothea Wyss und hatte mit ihr zehn Kinder. Er war Ratsherr und Richter, ein angesehener Mann mitten im Leben seiner Talschaft.
Mit rund fünfzig Jahren, im Oktober 1467, verliess er Hof und Familie und lebte von da an als Einsiedler im Ranft, einer Schlucht wenige Minuten unterhalb seines Hauses. Er ging mit dem Einverständnis seiner Frau. Das jüngste Kind war noch kein Jahr alt, der älteste Sohn Hans war zwanzig und übernahm den Hof. Heute erinnert man oft an beide zusammen, an Niklaus und an Dorothea, deren Ja diesen Weg erst möglich machte.
Bald kamen Menschen von weit her in den Ranft, um ihn um Rat zu fragen. Im Dezember 1481 standen die Eidgenossen in Stans kurz vor dem Bruch. Der Pfarrer von Stans holte Rat bei Bruder Klaus, und nach seiner Rückkehr einigten sich die Orte innerhalb kurzer Zeit. Das Stanser Verkommnis führte dazu, dass Freiburg und Solothurn in die Eidgenossenschaft aufgenommen wurden.
Bruder Klaus starb am 21. März 1487 im Ranft. Papst Pius XII. sprach ihn am 15. Mai 1947 heilig. Er ist Landespatron der Schweiz, sein Gedenktag ist der 25. September.
Was das Gebet sagt
Die drei Bitten beschreiben einen Weg.
«Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.» Die erste Bitte ist die ehrlichste. Was hindert mich? Es kann eine Gewohnheit sein, ein Groll, ein Bildschirm, die Angst, zu kurz zu kommen. Bruder Klaus bittet nicht, dass Gott ihm etwas Bestimmtes nimmt. Er überlässt Gott die Auswahl.
«Gib alles mir, was mich fördert zu dir.» Die zweite Bitte ist das Gegenstück. Auch hier bleibt offen, was das sein wird: ein Mensch, eine Einsicht, manchmal auch eine Schwierigkeit, an der man wächst.
«Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.» Die dritte Bitte geht am weitesten. Sie bittet darum, von sich selbst loszukommen und ganz Gott zu gehören. Man muss sie nicht sofort ganz meinen können. Viele beten sie über Jahre, bis sie langsam wahr wird.
Ein ähnliches Gebet hat Ignatius von Loyola im 16. Jahrhundert geschrieben:
Gebet · Ignatius von LoyolaNimm hin, o HerrGanzen Text lesenSo kannst du das Gebet beten
Das Gebet ist kurz genug, um es überallhin mitzunehmen.
- Am Morgen, bevor du das Handy in die Hand nimmst, einmal langsam.
- Mit dem Atem: Einatmen bei «Mein Herr und mein Gott», ausatmen bei der Bitte. Dreimal, für jede Bitte einmal.
- Vor einer Entscheidung: die erste und die zweite Bitte im Blick auf die Frage, die dich gerade beschäftigt.
- Gesungen: In vielen Schweizer Kirchen, katholischen wie reformierten, wird das Gebet als Lied gesungen und gehört dort zu den bekanntesten Kirchenliedern.
Wer das Gebet meditieren will, kann sich an die Übung «Ein einziges Wort» in Weile halten und als Wort «Mein Herr und mein Gott» nehmen. Wie christliche Meditation grundsätzlich geht, steht unter Christlich meditieren.
Weile ist gratis und ohne Werbung. Du kannst sofort im Browser beginnen.
Weile öffnenBruder Klaus und die Schweiz
Bruder Klaus gilt vielen als Friedensstifter der Schweiz, auch über die Konfessionen hinweg. Wer für das Land beten möchte, findet Anregungen unter Für die Schweiz beten.
Das Gebet von Teresa von Ávila, das im Katechismus gleich auf Bruder Klaus folgt, passt gut daneben:
Gebet · Teresa von ÁvilaNichts soll dich ängstigenGanzen Text lesenQuellen
- Niklaus von Flüe (Wikipedia): Lebensdaten, Familie, Stanser Verkommnis, Heiligsprechung 1947
- bruderklaus.com: Bruder-Klausen-Gebet, Überlieferung um 1500, Studie von Heinrich Stirnimann (1981)
- Schweizerische Kirchenzeitung: Bruder-Klausen-Gebet zwischen Osterbekenntnis und Gottverlassenheit
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 226