Tischgebete

Das kürzeste Tischgebet kennen viele seit der Kindheit: «Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.» Hier findest du die bekannten Tischgebete im Wortlaut und neue für Erwachsene, die ohne Reim auskommen.

Redaktion Weile · aktualisiert am 5. Oktober 2026

Küchenfenster am Morgen

Kurze Tischgebete, die viele kennen

Diese Gebete sind überliefert, ihre Verfasser kennt man nicht. Sie gehören allen.

Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast. Amen.

Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir. Wir danken dir dafür. Amen.

Segne, Vater, diese Speise, uns zur Kraft und dir zum Preise. Amen.

In katholischen Familien beginnt und endet das Tischgebet oft mit dem Kreuzzeichen. Manche Familien halten sich dabei an den Händen.

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Luthers Tischgebet

Martin Luther hat 1529 in seinem Kleinen Katechismus beschrieben, wie eine Familie vor und nach dem Essen beten kann. Vor dem Essen steht ein Vers aus Psalm 145, danach eine kurze Bitte. In der Menge-Bibel lautet der Psalmvers so:

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit; du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen. Psalm 145,15–16

Danach folgen bei Luther das Vaterunser und das Gebet «Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben». Nach dem Essen schlägt er einen Psalmvers vor, der in der Bibel mehrmals vorkommt: «Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, ja, ewiglich währt seine Gnade!» (Psalm 136,1).

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Tischgebete für Erwachsene

Vielen Erwachsenen sind die Reime aus der Kindheit zu klein geworden, ein langes Gebet passt aber auch nicht, wenn die Suppe dampft. Diese Gebete sind kurz und ohne Reim.

Gott, danke für dieses Essen und für die Hände, die es gemacht haben. Segne diesen Tisch und alle, die daran sitzen. Amen.

Gott, wir sind müde und hungrig. Danke, dass wir zusammen sind. Amen.

Wenn Gäste da sind:

Gott, danke für diesen Abend und für die Menschen an diesem Tisch. Lass uns gut miteinander reden. Amen.

Wenn du allein isst:

Gott, ich esse heute allein. Setz dich zu mir. Danke für das Brot und für diesen Augenblick Ruhe. Amen.

Und eines, das an die denkt, die nicht genug haben:

Gott, wir haben genug zu essen. Das ist nicht selbstverständlich. Gib allen Menschen ihr tägliches Brot und uns ein offenes Herz zum Teilen. Amen.

Tischgebet bei einem Fest

Zu Geburtstagen, an Weihnachten oder bei einem Familienfest darf das Tischgebet etwas länger sein.

Gott, heute feiern wir. Danke für [Name] und für dieses Jahr. Danke für alle, die gekommen sind, und für die, die gern hier wären. Segne dieses Essen und unsere Freude. Amen.

Bei einem Essen nach einer Beerdigung hilft oft ein ganz schlichter Satz:

Gott, wir sitzen zusammen und vermissen [Name]. Danke für alles, was wir mit ihr geteilt haben, auch an diesem Tisch. Amen.

Tischgebete mit Kindern

Kinder beten am liebsten, was sie auswendig können und was sich reimt. Die drei kurzen Gebete oben eignen sich gut. Eine schöne Abwechslung: Jedes Kind sagt reihum, wofür es heute dankbar ist, und am Schluss sagen alle zusammen «Amen». Wer nichts sagen mag, darf weitergeben.

Auch ein gesungenes Tischgebet funktioniert gut mit Kindern, zum Beispiel ein Kanon, den die Familie kennt.

Danken nach dem Essen

Das Gebet nach dem Essen ist fast in Vergessenheit geraten. Es hat eine lange Geschichte: Im jüdischen Glauben ist der Dank nach dem Essen seit alter Zeit fest verankert. Er geht auf einen Vers im fünften Buch Mose zurück: «Wenn du dann gegessen hast und satt geworden bist, so preise den Herrn, deinen Gott» (Deuteronomium 8,10).

Gott, wir sind satt. Danke für das Essen und für die Zeit am Tisch. Amen.

Das bekannte Lied «Nun danket alle Gott» von Martin Rinckart erschien 1636 übrigens zuerst unter den Tischgebeten seines Andachtsbuches. Mehr Dankgebete findest du unter Dankgebete.

Warum vor dem Essen beten?

Jesus hat vor dem Essen gebetet. Die Evangelien erzählen es bei der Speisung der Fünftausend, beim Abendmahl und am Abend von Emmaus: «Als er sich hierauf mit ihnen zu Tisch gesetzt hatte, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis (Gottes), brach das Brot und gab es ihnen: da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn» (Lukas 24,30–31).

Ein Tischgebet dauert zehn Sekunden. Es unterbricht den Alltag genau dort, wo er am alltäglichsten ist. Wer das jeden Tag tut, bemerkt mit der Zeit, wie viel auf dem Tisch steht, das er nicht selbst gemacht hat.

Den Tag lesen · Sonntag · 7 Min.Brannte nicht unser HerzJetzt anhören

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