Dorfbrunnen

Schönstatt · Teil 2

Der Krug

8 Min. · Stimme Lana · Joh 2,6–7; Ps 56,9

Teil zwei: In vielen Schönstatt-Kapellen steht ein Krug mit Zetteln. Warum kleine Dinge bei Gott nicht verloren gehen, und wie der Krug in dieser App funktioniert.

Schönstatt

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Schön, dass du da bist. Heute geht es um ein Gefäss aus Ton. Um einen Krug. Mach es dir bequem. Lass die Schultern sinken.

Gott, hier bin ich. Ich bringe mit, was ich heute in den Händen hatte.

Im ersten Teil hast du von der kleinen Kapelle am Rhein gehört. In vielen ihrer Nachbauten steht ein Krug, daneben liegen Zettel und ein Stift. Wer hereinkommt, schreibt etwas auf. Manchmal ist es ein Dank. Oft ist es eine Sorge, die man nicht mehr allein tragen will. Dann faltet man den Zettel und legt ihn in den Krug.

Der Krug erinnert an eine Hochzeit in Kana. Mitten im Fest geht der Wein aus. Maria merkt es und sagt es Jesus. Zu den Dienern sagt sie: Was er euch sagt, das tut. Nun waren dort sechs steinerne Wassergefässe aufgestellt, wie es die Sitte der jüdischen Reinigung erforderte; jedes von ihnen fasste zwei bis drei grosse Eimer. Da sagte Jesus zu den Aufwärtern: «Füllt die Gefässe mit Wasser!» Sie füllten sie darauf bis oben hin.

Die Diener bringen Wasser. Mehr haben sie nicht. Sie schleppen Eimer um Eimer, bis die Krüge voll sind, und sie wissen nicht, wozu. Was Jesus daraus macht, erzählt Johannes gleich danach: Das Wasser wird zu Wein, zu sehr gutem Wein, und es ist mehr als genug.

Mit dem Krug in der Kapelle ist es ähnlich. Du bringst dein Wasser. Eine Stunde Geduld mit einem Kind, oder eine Arbeit, die du sauber gemacht hast, obwohl es keiner prüft. Maria trägt es zu ihrem Sohn, und er macht daraus, was er will.

In Schönstatt nennt man solche kleinen Gaben Beiträge zum Gnadenkapital. Das Wort klingt nach Bank. Gemeint ist ein gemeinsamer Vorrat bei Gott, in den alle einlegen. Was du hineinlegst, kommt anderen zugute, auch Menschen, die du nie kennenlernen wirst. Und es geht nichts davon verloren, auch das Kleinste nicht.

Nach der Brotvermehrung sagt Jesus zu seinen Jüngern: «Sammelt die übriggebliebenen Brocken, damit nichts umkommt.»

Und im Psalm sechsundfünfzig betet jemand: Meines Elends Tage hast du gezählt, meine Tränen in deinem Krüglein gesammelt.

Gott hat also auch einen Krug.

In dieser App gibt es einen Krug für dich. Jeden Abend kannst du drei Zettel hineinlegen. Auf den ersten schreibst du, wofür du dankbar bist. Auf den zweiten, was du heute nicht mehr allein tragen willst. Und auf den dritten, was du heute gegeben hast, auch wenn es niemand gesehen hat. Ein Wort pro Zettel reicht. Niemand liest mit. Wenn du in einer Gruppe bist, sehen die anderen nur, wie viele Zettel in deinem Krug liegen. In Schönstatt am Rhein werden die Zettel aus den Krügen am achtzehnten jedes Monats verbrannt, am Bündnistag. Auch dein Krug geht einmal im Monat ins Feuer, und eine eigene Andacht begleitet dich dabei. Danach ist er leer, und ein neuer Monat beginnt.

Lass es uns gleich einmal ausprobieren. Denk an den heutigen Tag. Wofür bist du dankbar? Es darf etwas ganz Kleines sein.

Was willst du heute nicht mehr allein tragen?

Und was hast du heute gegeben? Vielleicht nur Zeit, oder ein freundliches Wort an der Kasse.

Gib das jetzt in Gedanken Maria. Sie trägt es weiter.

Maria, in Kana hast du gesehen, was fehlte. Schau auch auf meinen Tag. Hier ist mein Wasser. Es ist nicht viel. Bring es zu deinem Sohn, und sag ihm, was mir fehlt, auch das, was ich selbst noch nicht weiss. Amen.

Ein Vorsatz für heute: Lege am Abend zum ersten Mal deine drei Zettel in den Krug. Ein Wort auf jedem Zettel genügt. Bis zum nächsten Mal.