Ein Gebetstagebuch führen

In ein Gebetstagebuch schreibst du, wofür du betest, wofür du dankbar bist und was dich bewegt. Ein paar Zeilen am Tag reichen. Nach einigen Wochen siehst du, was aus deinen Bitten geworden ist und wo Gott in deinem Alltag Spuren hinterlassen hat.

Redaktion Weile · aktualisiert am 5. Oktober 2026

Küchenfenster am Morgen

Eine Vorlage zum Abschreiben

Ein Eintrag braucht fünf Zeilen. Schreib sie in ein Heft, in die Notizen-App oder in das Tagebuch von Weile.

Datum: Dienstag, 6. Oktober Ein Wort für heute: «Alle Morgen sind sie neu» (Klagelieder 3,23) Danke für: das Telefon mit Papa, die Sonne auf dem Heimweg Ich bitte für: Sarah vor ihrer Prüfung, meine Geduld mit den Kindern Was mich bewegt: Der Satz der Chefin ging mir den ganzen Nachmittag nach.

Mehr braucht es nicht. Wer mehr schreiben will, kann es. Wer an einem Tag nur eine Zeile schafft, schreibt eine.

Warum ein Gebetstagebuch hilft

Das Gedächtnis ist beim Beten ein schlechter Zeuge. Was wir vor drei Wochen erbeten haben, vergessen wir, sobald es sich erledigt hat. Und was gut war, verblasst schneller als das, was schiefging.

Die Bibel kennt dieses Problem. «Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan», betet Psalm 103. Von Maria heisst es nach der Geburt Jesu: «Maria aber bewahrte alle diese Mitteilungen im Gedächtnis und bedachte sie in ihrem Herzen» (Lukas 2,19). Ein Gebetstagebuch ist eine Hilfe für genau dieses Bewahren und Bedenken.

Auch Ignatius von Loyola hat ein geistliches Tagebuch geführt. Ein Teil davon ist erhalten, aus den Jahren 1544 und 1545. Er hat darin festgehalten, wann er Trost und Frieden spürte und wann Unruhe, während er vor einer wichtigen Entscheidung stand.

Psalm 103 · 3 Min.Vergiss nicht, was er dir Gutes getanJetzt anhören

Was hineingehört

Es gibt keine Pflichtteile. Bewährt haben sich diese:

  • Ein Bibelwort. Der Vers, der dich heute angesprochen hat, aus der stillen Zeit oder aus einer Lectio divina.
  • Dank. Zwei oder drei Dinge, so konkret wie möglich.
  • Bitten. Für dich und für andere, mit Namen.
  • Was dich bewegt. Eine Begegnung, eine Sorge, ein Satz, der nachklingt.
  • Spuren. Wo hast du heute etwas von Gott bemerkt? Diese Zeile bleibt oft leer, und das ist in Ordnung.

Manche lassen am Rand eine Spalte frei. Dort tragen sie später ein, was aus einer Bitte geworden ist. Nicht jede Bitte wird erfüllt. Oft siehst du aber, dass sich etwas anders entwickelt hat, als du damals befürchtet hast.

Nach einem Monat zurückblättern

Ein Gebetstagebuch zeigt seinen Wert oft erst beim Zurückblättern. Nimm dir am Ende eines Monats eine Viertelstunde und lies alle Einträge am Stück. Achte dabei auf drei Dinge.

Was sich erledigt hat. Die Sorge um das Vorstellungsgespräch, die Angst vor dem Arzttermin. Vieles, was dich vor drei Wochen nicht schlafen liess, ist heute vorbei. Manches ist gut ausgegangen, manches anders als erhofft. Halte kurz fest, wie es weiterging.

Was immer wiederkommt. Wenn ein Name oder ein Thema in fast jedem Eintrag steht, ist das ein Hinweis. Vielleicht braucht diese Sache mehr als Gebet: ein Gespräch, eine Entscheidung, Hilfe von aussen.

Wofür du gedankt hast. Die Dankzeilen eines Monats zu lesen, tut gut. Meistens sind es mehr gute Dinge, als man in Erinnerung hatte.

Schreib zum Schluss einen Satz unter den Monat. Zum Beispiel: «Im Oktober hat mich die Sache mit dem Umzug beschäftigt, und Papa geht es wieder besser.» Nach einem Jahr hast du zwölf solche Sätze.

Fragen für jeden Tag

Wenn dir nichts einfällt, nimm eine dieser Fragen:

  • Wofür bin ich heute dankbar?
  • Was hat mich heute gestreift?
  • Wem bin ich heute begegnet?
  • Was lege ich heute in Gottes Hand?
  • Was nehme ich aus dem Gebet mit in den Tag?

Die ersten drei stammen aus dem abendlichen Tagesrückblick. Wie der geht, steht im Ratgeber Gebet der liebenden Aufmerksamkeit.

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Das Tagebuch in Weile

Weile hat ein Tagebuch eingebaut. Am Ende jedes Gebets zum Anhören fragt die App: «Was nimmst du mit?» Nur bei den Einschlafgeschichten nicht, da soll nichts mehr wach halten. Du schreibst ein Wort, einen Vorsatz oder einen Namen hinein, und der Eintrag landet mit Datum und dem Titel des Gebets in deinem Tagebuch. Unter «Mein Weg» kannst du auch frei schreiben, mit der Frage: Wofür bist du heute dankbar? Was hat dich bewegt?

Ohne Konto bleiben deine Einträge auf deinem Gerät. Mit einem freiwilligen Konto sichern wir sie in Zürich, damit sie bei einem neuen Handy nicht verloren gehen. Wir lesen sie nicht und geben sie nicht weiter.

Für den Abend gibt es zusätzlich den Krug: drei kurze Zettel für Danke, Ablegen und Geben, die am Monatsende ins Feuer gehen. Was in den Krug kommt, gibst du ab. Was im Tagebuch steht, kannst du später wieder lesen. Mehr zum Krug im Ratgeber Sorgen abgeben.

Häufige Fragen

Heft oder App?

Das hängt von dir ab. Ein Heft ist schön, und Schreiben von Hand verlangsamt. Eine App hast du immer dabei, auch im Zug. Probier beides eine Woche lang aus.

Wie oft soll ich schreiben?

Jeden Tag ein paar Zeilen ist ideal. Einmal in der Woche ist auch gut. Wichtiger als die Häufigkeit ist, dass du ab und zu zurückblätterst, etwa am Monatsende.

Was, wenn ich Dinge aufschreibe, die niemand lesen soll?

Dann schreib sie trotzdem. Das Tagebuch ist für dich und Gott. Wer Sorge hat, dass jemand mitliest, nutzt ein Heft mit Schloss oder ein Tagebuch, das nur auf dem eigenen Gerät gespeichert ist.

Quellen

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