Stille Zeit

Stille Zeit nennen viele Christen die paar Minuten am Tag, die nur Gott gehören: ein Bibeltext, ein Gebet, etwas Stille. Zehn Minuten reichen. Hier findest du einen einfachen Ablauf und Andachten, die dich dabei begleiten.

Redaktion Weile · aktualisiert am 5. Oktober 2026

Lärchenwald im Nebel

Zehn Minuten, so gehts

Minuten Was du tust
1 Ankommen. Handy auf lautlos, hinsetzen, dreimal tief ausatmen. «Gott, ich bin da.»
3 Lesen. Einen kurzen Bibeltext langsam lesen, am besten zweimal.
3 Antworten. Mit Gott über das reden, was dich am Text angesprochen hat, und über das, was heute ansteht.
2 Still sein. Nichts sagen, einfach da sein.
1 Mitnehmen. Ein Satz aus dem Text oder ein kleiner Vorsatz für heute. Vaterunser.

Das ist alles. Wenn du mehr Zeit hast, verlängere das Lesen oder die Stille. Wenn du weniger hast, lass das Antworten kurz ausfallen und behalte die Stille.

Was mit stiller Zeit gemeint ist

Der Ausdruck ist vor allem in evangelischen und freikirchlichen Gemeinden verbreitet. Katholische Christen sagen eher persönliches Gebet, Betrachtung oder geistliche Lesung. Gemeint ist überall dasselbe: eine feste Zeit am Tag, in der du die Bibel liest und mit Gott redest, ohne Gottesdienst und ohne Gruppe.

Jesus selbst hat sich solche Zeiten genommen. «Er jedoch zog sich in die Einsamkeit zurück und betete dort», heisst es im Lukasevangelium (Lukas 5,16), mitten in einer Zeit, in der die Menschen in Scharen zu ihm kamen. Und als seine Jünger so viel zu tun hatten, dass sie nicht einmal zum Essen kamen, sagte er: «Kommt ihr für euch allein abseits an einen einsamen Ort und ruht dort ein wenig aus!» (Markus 6,31).

Morgengebet · Samstag · 5 Min.Ein wenig ausruhenJetzt anhören

Wann und wo

Morgens ist für viele die beste Zeit, bevor die Mails und die Kinder kommen. Mehr dazu im Ratgeber Morgengebet.

In der Mittagspause geht es auch: zehn Minuten auf einer Bank, im Auto auf dem Parkplatz oder in einer Kirche, die offen steht.

Abends wird die stille Zeit oft zum Rückblick auf den Tag. Dafür gibt es eine eigene Form, das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit.

Der Ort ist weniger wichtig als die Regelmässigkeit. Hilfreich ist ein fester Platz: derselbe Stuhl, dieselbe Ecke, vielleicht mit einer Kerze. Der Körper gewöhnt sich daran, dass hier gebetet wird, und das Ankommen geht schneller.

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Was lesen?

Für den Anfang eignen sich kurze, erzählende Texte und Psalmen. Wer jeden Tag etwas Neues aufschlägt, verliert sich leicht. Nimm dir lieber einen Weg vor, zum Beispiel:

  • Ein Evangelium am Stück. Das Markusevangelium hat 16 Kapitel. Wenn du jeden Tag ein halbes Kapitel liest, bist du in gut einem Monat durch. Markus 1 ist ein guter Start.
  • Die Psalmen. Jeden Tag einen. Beginne mit Psalm 23, Psalm 121 und Psalm 139.
  • Ein Text, eine Woche. Du liest sieben Tage lang denselben Abschnitt. Jeden Tag bleibt etwas anderes hängen. So arbeitet auch die Lectio divina.

Die ganze Bibel in der Übersetzung von Hermann Menge kannst du in Weile lesen, mit allen 76 Büchern.

Eine Woche zum Ausprobieren

Wenn du nicht weisst, womit du anfangen sollst, nimm diese sieben Texte. Jeder ist kurz genug für zehn Minuten.

Tag Text Worum es geht
Montag Klagelieder 3,22–24 Alle Morgen neu
Dienstag Psalm 23 Der Herr ist mein Hirt
Mittwoch Markus 6,30–32 Ein wenig ausruhen
Donnerstag 1. Könige 19,3–8 Elija bekommt Brot für den Weg
Freitag Matthäus 11,28–30 Kommt her zu mir, die ihr belastet seid
Samstag Lukas 10,38–42 Marta und Maria
Sonntag Psalm 103,1–5 Vergiss nicht, was er dir Gutes getan

Schreib dir nach jedem Tag einen Satz auf, der hängen geblieben ist. Am Sonntag hast du sieben Sätze und siehst, was diese Woche mit dir zu tun hatte.

Stille Zeit mit Begleitung

Nicht jeder kann sich allein mit einem Text hinsetzen. Dann hilft eine Andacht zum Hören. In Weile gibt es für jeden Morgen eine Andacht von fünf bis sechs Minuten und Lectio-Übungen von neun bis zwölf Minuten, die dich durch Lesen, Nachdenken, Gebet und Stille führen.

Lectio · Lukas 10 · 9 Min.Nur eins ist nötigJetzt anhören

Die Lectio über Marta und Maria passt besonders gut zur stillen Zeit. Marta steht in der Küche, Maria sitzt und hört zu. Jesus sagt: «Nur eins ist nötig.»

Wenn es nicht klappt

Ich vergesse es. Häng die stille Zeit an etwas, das du sowieso jeden Tag tust: den ersten Kaffee, das Zähneputzen, die Zugfahrt.

Ich schlafe ein oder bin abgelenkt. Lies halblaut. Schreib einen Satz auf. Ein Gebetstagebuch hilft vielen, wach zu bleiben.

Ich habe drei Tage ausgelassen. Fang heute wieder an. Ohne Nachholen und ohne schlechtes Gewissen.

Häufige Fragen

Muss die stille Zeit am Morgen sein?

Nein. Viele empfehlen den Morgen, weil der Tag dann noch nicht verplant ist. Wenn du morgens Kinder anziehen und Brote schmieren musst, ist der Abend oder die Mittagspause die bessere Wahl.

Wie lange sollte sie dauern?

Zehn Minuten sind ein guter Anfang. Wer täglich zehn Minuten schafft, betet mehr als jemand, der sich eine Stunde vornimmt und nach einer Woche aufgibt.

Ist stille Zeit dasselbe wie Andacht?

Fast. Eine Andacht ist meist ein vorbereiteter Text mit Bibelwort und Gedanken, den jemand anderes geschrieben hat. Die stille Zeit kann eine Andacht enthalten, lässt aber mehr Raum für dein eigenes Gebet und für Stille.

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